Mammutprojekt Modernisierung Klinikum Fürth

Im ersten Bauabschnitt für die Erweiterung und Modernisierung des Klinikums Fürth realisiert der JR Hochbau die Rohbauarbeiten.

Visualisierung Klinikum Fürth

Ein Projekt, wie es zuvor noch kein vergleichbares gegeben hat. Das Klinikum Fürth selbst bezeichnet die anstehenden Bauarbeiten als „Mammutprojekt“. Vor Ort im Einsatz sind verschiedene Teams der Josef Rädlinger Unternehmensgruppe unter Leitung von Bauleiter Christopher Heimerl. Aber was genau passiert eigentlich am Gelände des Klinikums? Unter dem Namen „Klinikum 2030“ sind umfangreiche Um- und Neubaumaßnahmen geplant, um den ständig wachsenden Anforderungen im Gesundheitswesen gerecht werden.

Das Klinikum Fürth bietet aktuell über 770 stationäre Betten und versorgt nahezu 100 000 Patienten im Jahr. Außerdem dient das Klinikum als Akademisches Lehrkrankenhaus für die Universität Erlangen-Nürnberg und will den Medizinern von morgen die bestmögliche Ausbildung bieten.

Insgesamt sollen in den nächsten zehn bis 15 Jahren drei Gebäude entstehen, als Erstes wird nun ein modernes OP-Zentrum gebaut. Das vierstöckige Gebäude soll nach seiner Fertigstellung unter anderem einer Intensivstation, einer Intensivüberwachungspflege, einer Stroke Unit (Schlaganfallzentrum) und elf modernen OP-Sälen Platz bieten.

Fürth befürchtete eine Mega-Evakuierung

Im Vorfeld zu den anstehenden Bauarbeiten gab es von mehreren Seiten Befürchtungen, dass auf dem Klinikgelände noch Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden werden. Die befürchtete „Mega-Evakuierung“ der Stadt Fürth blieb allerdings aus. Bei einem Ernstfall hätten etwa 16 000 Menschen im Umkreis von einem Kilometer ihre Häuser verlassen müssen. Routinemäßige Schürfarbeiten hatten bei den Vorbereitungen zum Baustart acht auffällige Stellen gezeigt.

„Die Bedenken vor den Bauarbeiten – beziehungsweise Sondierungen – waren berechtigt, da im Bereich des Neubaus laut Nachforschung mehrere Bombenkrater und Schutzgräben festgestellt worden sind“, so Bauleiter Christopher Heimerl. Bereits vor Beginn der Arbeiten wurden diese Bereiche weiterführend erkundet und bis auf kleine Funde konnten keine Blindgänger festgestellt werden. Die Evakuierung konnte damit verhindert werden und der Baustart wie geplant stattfinden.

Am 19. März 2021 erfolgte dann der Spatenstich für den ersten Bauabschnitt. Auf dem ehemaligen Gelände des Hubschrauberlandeplatzes arbeiten die JR Teams am Rohbau des neuen Gebäudes. Der Grundriss beträgt circa 103 auf 44 Meter mit zwei Untergeschossen, fünf Obergeschossen und einer Hubschrauberlandeplattform im sechsten Obergeschoss. Die JR Teams realisieren dabei 50 000 Kubikmeter Erdbewegung und 15 000 Kubikmeter Betoneinbau.

Während der Rohbauphase sind 20 bis 25 Arbeiter auf der Baustelle im Einsatz, inklusive Drittfirmen rechnet Heimerl in Spitzenzeiten mit 70 bis 100 Arbeitern. Derzeit sind die Teams mit den vorbereitenden Arbeiten für den Spezialtiefbau beschäftigt. Parallel dazu läuft in anderen Bereichen bereits der Baugrubenaushub. Als nächstes müssen mehrere Bestandsbauten sowie ein unterirdischer Verbindungstunnel abgebrochen werden, um das weitere Baufeld zu erschließen.

Die Hauptarbeiten sollten planmäßig bis Ende 2022 abgeschlossen sein. „Einzelne Leistungen werden sich bestimmt noch in das Folgejahr verlagern“, schätzt Heimerl. Das Gesamtprojekt soll dann bereits 2025 in Betrieb gehen.

Koordination und Flexibilität gehen Hand in Hand

Eine solche Großbaustelle, wie am Klinikum Fürth, fordert die JR Mannschaften immer in doppelter Hinsicht: Eine koordinative Planung, aber auch ein großes Maß an Flexibilität sind für das Gelingen erforderlich. Da die Baustelleneinrichtungs-, Lager- und Logistikflächen sehr begrenzt sind, muss eine genaue zeitliche Abstimmung von Lieferungen und beispielsweise Großbetonagen stattfinden. „Hier muss getreu dem Verfahren ‚just in time‘ geplant werden“, erklärt Heimerl.

Für den Bauleiter ist es klar, dass bei jedem Projekt kurzfristige Änderungen auftreten. Diese gilt es dann gemeinsam mit den am Projekt beteiligten Parteien schnellstmöglich zu planen und umzusetzen. „Für solche Fälle und auch für den normalen Bauablauf ist entsprechendes Fachpersonal wie Bauleiter, Abrechner und Polier immer vor Ort“, sagt Heimerl.

Und wie behält man auf einer solchen Großbaustelle als Bauleiter eigentlich den Überblick? „Am Anfang der Baustelle war es schon schwierig, sich aufgrund der vielen Klinikbereiche und -bezeichnungen zurecht zu finden, aber mit der Zeit sind nun auch die Wege durch die Bestandsgebäude, bis hin zu unterirdischen Verbindungstunneln verinnerlicht“, schmunzelt Heimerl. Wenn der Rohbau fertiggestellt ist, braucht es dann eventuell nochmals eine kurze Orientierungsphase, aber Heimerl sieht dabei keinerlei Probleme: „In dem geplanten Neubau selbst wird es anfangs aufgrund der unterschiedlichen Ebenen bestimmt auch eine Herausforderung werden, welche wir aber ohne Bedenken lösen werden.“