Spülbohrung im Wasserschutzgebiet

Die JR Spülbohrer bohrten durch ein Wasserschutzgebiet zu einem Einödhof

Über einen Rahmenvertragspartner, einem der größten Energieversorger in Baden-Württemberg, wurden die JR-Spülbohrer zu Beginn des Jahres mit der Umverlegung einer Stromtrasse beauftragt. Nachdem der Winter vorüber war, fand die erste Begehung der Tiefbau- und Spülbohrkollegen mit dem Projektierer und dem Baukoordinator statt. Im Zuge dieser Begehung wurde schnell klar, dass die zwei geplanten Bauabschnitte, Teilstück #1 in 2020 und Teilstück #2 in 2021 nicht getrennt voneinander durchgeführt werden können. Deshalb wurde das Bauvorhaben im Zuge einer Umplanung wieder zurückgestellt.

Die Trasse verläuft nämlich durch ein Wasserschutzgebiet, beginnend in einem fachtechnisch abgegrenzten Wasserschutzgebiet der Zone III bis in das Wasserschutzgebiet der Zone III der Köshofquelle. Der Planungsaufwand des Auftraggebers samt Einholung aller Stellungnahmen und Risikoeinschätzungen war deswegen verhältnismäßig hoch und zeitaufwendig. So durfte die Bohrungstiefe von 4,5 Metern unter Gelände nicht unterschritten werden und bestimmte Zusatzstoffe in der Bohrspülung nur zu einem maximal festgelegten Prozentsatz verwendet werden. Vom Landwirtschaftsamt waren aufgrund der Geringfügigkeit des Eingriffes in den Boden keine Vorgaben gegeben, jedoch kamen auch vom Amt für Naturschutz Auflagen zur Durchführung, wie Maßnahmen gegen starke Bodenverdichtungen und Ausführung nur bei trockener Witterung.

Umplanungen abgeschlossen

Anfang Oktober 2020 war die Umplanung des Projekts abgeschlossen und die JR-Spülbohrer konnten mit ihren eigenen Planungen zur Durchführung beginnen. Der Standort des Bauvorhabens, ein Einödhof mitten im Wald, zu dem es nur eine schmale Zufahrtsstraße gibt, stellte große Herausforderungen an die Logistik des Projekts. Teilweise musste die Mannschaft nämlich mit großen Gerätschaften anrücken und die Wege zur nächstgelegenen Ortschaft waren sehr aufwendig.

Wegen Bohrlänge, Durchmesser und dem großen Logistikaufwand für das Anliefern von Frischwasser zum Systemtruck sowie der Entsorgung der Bohremulsion wurde vor Ort die mobile Recyclinganlage aufgebaut. Klare wirtschaftliche Vorteile sind dabei ein positiver Nebeneffekt.

Aufgrund der stark wechselnden Geologie waren die Anforderungen an die Spülung und deren Anmischung extrem hoch. Die dort vorhandene "Löwenstein-Formation" ist wegen des wiederholten Wechsels von Tonsteinen und Sandsteinen in mehrere Teilstockwerke untergliedert, die hydraulisch untereinander unterschiedlich stark kommunizieren. Beim Stubensandsteinfels handelt es sich um einen grobkörnigen, abrasiven Sandsteinfels mit einer Härte von in etwa 160MPa. Daher war eine Felsbohrung mit Warzenrollenmeißeln und Hole-Openern notwendig.

Nach den Pilotbohrungen wurden zwei Aufweitungen, mit 250 und 350 Millimetern Durchmesser ausgeführt. Im Anschluss daran, wurde mit einem ø350mm-Kodiak-Reamer ein Clean-Run durchgeführt. Durch diesen „Reinigungsgang“ wurde möglichst viel losgelöstes Gestein aus den Bohrkanälen gezogen beziehungsweise geschoben, um beim Einzug des Rohrpaketes bestehend aus Kabelschutzrohren mit Außendurchmessern von 160 und 90 Millimetern keine Probleme eines festsitzenden Rohrbündels zu bekommen.

Variable Spülungen

Je Bohr- und Aufweitvorgang wurde in Bezug auf die Anmischung der Spülflüssigkeit ein abgeändertes „Rezept“ gefahren. Bei den Pilotbohrungen und den Aufweitvorgängen wurde der eigentlichen Bentonit-Stützflüssigkeit ein biologisch abbaubares Polymer hinzugefügt, um den Bohrkanal an der Außenseite quasi abzudichten, damit ein ständiger Spülungsrückfluss gewährleistet war und keine Bohrflüssigkeit in den Einzugsbereich der Köshofquelle gelangen konnte. Zudem wurde auch hier schon ein reibungsreduzierendes Polymer verwendet, um den vom Fels verursachten Verschleiß am Bohrwerkzeug und am Gestänge zu minimieren.

Beim Clean-Run wurde die Spülung an sich dünner gemischt, damit die Flüssigkeit nicht zu träge ist und ein bestmöglicher Austrag der Cuttings möglich ist. Beim letztendlichen Rohreinzug wurde die Bohrspülung wieder tragfähiger und reibungshemmend angemischt, damit der Rohreinzug so geschmeidig wie nur möglich ablaufen konnte.

Das Gesamtprojekt von etwa 400 Metern wurde aufgeteilt auf drei zu bohrende Teilstrecken, von etwa 40, 130 und 190 Metern. Der restliche Lückenschluss zwischen diesen Teilstrecken und der Trafostation sowie Kabelzug wurden von den Tiefbaukollegen des Netzbau-Standortes Hochdorf durchgeführt.

Die Maßnahme war für den Besitzer des Hofs von äußerster Dringlichkeit, da die elektrischen Anlagen und die Versorgungssicherheit seiner Gebäude und Stallungen nicht mehr dem aktuellen Stand entsprochen haben. Die dauerhafte Versorgung mit Storm ist vor allem in der Winterzeit auch für die Vielzahl an Weide- und Hoftieren von enormer Wichtigkeit.

Die Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber und auch dem Hofbesitzer war geprägt von Einfachheit und einem großen Miteinander. Daher wurde das sehr anspruchsvolle Bauvorhaben innerhalb von vier Wochen, beginnend Anfang November bis Anfang Dezember, trotz witterungsbedingter Verzögerungen zur Zufriedenheit aller abgeschlossen.