Ausbau des Ortsnetzes in Stulln: grabenlos, präzise, umweltschonend

Bauzeit: August 2025

Maschine der Netzbau Horizontaltechnik beim Ausbau des Stromnetzes im Landkreis Schwandorf
Portrait Andreas Schönberger, Bereichsleiter Netzbau, Josef Rädlinger Bauunternehmen GmbH
Andreas Schönberger

Geschäftsführer JR Netzbau und Elektrotechnik GmbH

Eine 210 Meter lange Stromtrasse unter einem Bachbett verlegen – ganz ohne Bagger und offene Gräben. In der Gemeinde Stulln im Landkreis Schwandorf setzte das JR Team auf moderne Bohrtechnik.

Wenn es um den Ausbau der Energieinfrastruktur geht, sind oftmals umfangreiche Erdarbeiten und offene Gräben die Regel. In Stulln wurde sich jedoch bewusst für eine andere Vorgehensweise entschieden: Dort setzte das JR Netzbau-Team im Auftrag der Bayernwerk Netz GmbH auf eine grabenlose Lösung – die Horizontalbohrtechnik. Mit diesem Verfahren wurde eine neue 20-kV-Trasse von Grafenricht nach Stulln verlegt, die das Ortsnetz langfristig stärkt.

Drohnenaufnahme aus der Vogelperspektive der Netzbau Horizontaltechnik beim Ausbau des Stromnetzes im Landkreis Schwandorf

Ein Bach als Herausforderung

Die neue Leitung musste den Hüttenbach, ein oberirdisches Gewässer zweiter Ordnung, queren. Eine besondere Auflage der Unterwasserbehörde Weiden lautete: Gewässer und Grünflächen müssen weitgehend unberührt bleiben. Für die Verantwortlichen stand schnell fest, dass nur eine Spülbohrung in Frage kam.

„Gerade in ökologisch sensiblen Bereichen, wie bei dem Projekt in Stulln, können wir mit der Horizontalbohrtechnik zeigen, wie nachhaltiger Netzbau funktioniert.“

Matthias Kirchberger, Oberbauleiter Horizontalbohr- und Sonderverlegetechnik

Präzision im Untergrund

Auf 210 Metern Länge zog das JR Team ein Kabelschutzrohr mit 250 Millimeter Durchmesser ein. Der kiesige Boden forderte die Kolonne heraus. Doch mit einer exakt abgestimmten Bentonit-Bohrspülung ließ sich das Bohrloch stabilisieren und das Rohr sicher einziehen. Um in Echtzeit die exakte Position und Neigung des Bohrkopfes anzuzeigen, kam ein digitales Messsystem zum Einsatz.

Nahaufnahme des Bohrers der Netzbau Horizontaltechnik beim Ausbau des Stromnetzes im Landkreis Schwandorf
Moderne Messtechnik ermöglicht die exakte Führung des Bohrpfads im Untergrund.
Spülbohrung im Einsatz, Detailaufnahme
Effizient und umweltschonend

Horizontal-
bohrtechnik

Die Horizontalbohrtechnik (HDD) ist ein Bauverfahren, mit dem Rohre und Leitungen unter Flüssen, Straßen oder Gebäuden verlegt werden können – ohne dass offene Gräben entstehen.

Sie eignet sich besonders für sensible Umgebungen und dicht besiedelte Gebiete, da sie Eingriffe in Natur und bestehende Infrastruktur deutlich reduziert. Zudem ist bei dieser Methode keine Absenkung des Grundwassers erforderlich. Die HDD ermöglicht eine hohe Verlegegenauigkeit, selbst über längere Strecken, und stellt damit eine nachhaltige Alternative zur offenen Bauweise dar.

Projekte in der Sonderverlegetechnik